Bärner Bio-Gschichte

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Ingwer einmal anders – oder was die Schweiz und Asien in einem Bio-Likör vereint

Publiziert 9. Dezember 2022 , 11:24
Der Geruch von Apfelmost, Zimt und Nelken weht mir im Gang der Manfukatur von Ingwerer entgegen. Carla und Doro nehmen mich in einer gemütlichen Sofaecke in Empfang. Eine grosse Kaffeemaschine gibt ihr Mahlwerk zum Besten und so finde ich mich in der kleinen Welt des Ingwerers wieder.

Alles begann bei Musik und Bier im Lorrainequartier
Bei oder nach einer Bandprobe von Gründer Philipp und Simon führte das eine (Bier) zum andern – oder eben zu Ingwerer. Heute mag dies als Normalität anmuten, doch im Jahr 2013 war die Idee, aus Ingwer Likör zu machen, doch noch etwas abwegig. Ingwer gab’s bis dahin im Essen oder im Tee. «Zu Beginn der Reise von Ingwerer stand die Abenteuerlust», erzählt Doro, Marketingfrau bei Ingwerer. Über ein Jahr wurde an der Rezeptur getüftelt und gefeilt, bis das Getränk schliesslich seinen Siegeszug begann  direkt in den Gaumen der Bernerinnen und Berner. «Zu Beginn sind nur einige Freunde in den Genuss gekommen», weiss Doro, «bald hat die Menge jedoch nicht mehr nur für eine kleine Gruppe von Fan‘s des süssscharfen ausgereicht». Das Café Kairo, Startlokal der Ingwererproduktion, musste dem grösseren Produktionsraum in der Feuerwehr Viktoria Platz machen, bevor die Manufaktur schliesslich 2018 ihr Zuhause am Zentweg in einem Berner Industriequartier fand.

Die Symbiose der Schweiz und Asien
Lokal und doch mit globalen Komponenten, aber wohlbemerkt immer Bio! Auch der Alkohol ist seit Sommer 2020 biologisch zertifiziert. «Eine ziemliche Herausforderung», so Doro. Bio-Alkohol zu bekommen sei nicht einfach gewesen. Mit dem neuen Bio-Alkohol von Alcosuisse wurde der Ingwererlikör schliesslich 100% biologisch zertifiziert. Und was steckt sonst noch drin?

Ingwerer – eben eine Symbiose zwischen Asien und der Schweiz: Naturtrüber Bio-Apfelmost vom Apfelbauer Hans trifft auf eine Mischung von frischem Ingwer und verschiedenen Gewürzen wie Zimt und Nelken. Weiteres sei hier nicht verraten. Die Gewürze werden im Apfelsaft aufgekocht und in den Bio-Alkohol gegeben. Dieser holt die Aromen so richtig aus den Gewürzen heraus. Die Schärfe des Ingwers wird durch die Süsse des Apfelsafts ausgeglichen. Eine perfekte Harmonie zwischen Schweizer Apfeltradition und der Liebe zu Asien und dem subtropischen Klima.

Qualität und Handarbeit sind keine Kleinigkeit
Die «schnauffende» Abfüllmaschine im Ohr, erklären mir Doro und Carla von der Produktion: In der Ingwerermanufaktur ist Handarbeit das A und O. Jede Ingwerknolle wird nach der Anlieferung von Hand geprüft, gewaschen und geschnitten. Für die Likörproduktion wird nur mit ganzen und qualitativ hochwertigen Gewürzen gearbeitet, da so die Aromastoffe besser zur Geltung kommen – selbstverständlich auch von Hand abgewogen. Auch ist dem Ingwererteam die Zusammenarbeit mit langfristig treuen Lieferanten wichtig. So kann auch sichergestellt werden, dass die geforderte biologische Zertifizierung und die Qualitätsansprüche eingehalten werden.  Selbstverständlich wird der Ingwerer nach seiner Herstellung auch auf seine Qualität geprüft. «Wir probieren jeden Batch», verraten Carla und Doro lachend. Zudem dient ein Präzisionsgerät zur technischen Qualitätsüberwachung. Doch damit ist es nicht getan. Jede Flasche wird von Hand unter die Abfüllmaschine gestellt, gefüllt wieder weggenommen und zur Drehverschlussmaschine weitergeleitet. Ein doppelter Daumendruck ist notwendig, damit der Deckel richtig sitzt. Eine Etikettiermaschine beschliesst den Abfüllprozess.

Eine kleine Runde durchs Reich der Düfte
Ich treffe auf acht grosse Kochtöpfe und vier Herdplatten. Und Stahltanks – in diesen wird der Ingwerer seiner Aromaintensität entgegengeführt. Musik gibt’s während jeder Schicht, das «Must» schlechthin. «Der Ingwerer ist beim Musizieren entstanden. Das wollten wir beibehalten. So ist auch die Musik in der Produktion der heutigen Manufaktur wichtig», klärt mich Doro auf. Flaschen, Ingwerknollen und fertig abgepackte Kisten stehen im Produktionsraum. Vom angrenzenden Lager gelangen die Ingwererflaschen zu ihren Abnehmerinnen und Abnehmer. «Ingwerer gehört in jede gute Bar», bringt Doro die Vision auf den Punkt. Dabei kommt es nicht drauf an, ob es eine deiner Lieblingsbars auswärts ist, deine eigene Bar zu Hause oder die Bar eines Freundes. Ingwerer soll Menschen zusammenbringen und an einem Ort getrunken werden, wo Geselligkeit herrscht. 

Ingwerer ist Teamwork 
Gesellig scheint’s auch im Team hin und her zu gehen. Im Büro prominent auf einem Portrait platziert finde ich Mission, Vision und Werte. So zum Beispiel: «Wir fördern, was Freude bereitet und teilen diese mit anderen». So viel sei gesagt: Davon habe ich bei meinem Besuch wirklich viel gespürt. Und Carla ergänzt: «Wir wissen am Morgen jeweils nicht, was uns heute erwartet». So sei auch ein bisschen Abenteuerlust gefragt. Und die trägt und prägt das ganze Team. 

Carla ist als Brand Ambassador und Kundennetworkerin überzeugt: «Ingwerer kann man nicht beschreiben, Ingwerer muss man probieren!». Ob pur auf Eis oder als Mischpartner, der sich auf viele abenteuerliche Kreationen einlässt: Der Ingwerer ist ein pures Aroma-Abenteuer. Und ein mit viel Teamgeist lokal hergestelltes Produkt, das Zutaten aus dem asiatischen Raum in sich vereint.

Auf geht’s: Wirf mal einen Blick in die Cocktailkarte, hier geht’s zur Mixology!
In dem Sinne: Santé!
 
Autor/innen Laila Grillo